BACCHANALE (USA 1970)

 

Im Jahre 1970, also in pre-periodischer Zeit des Golden Age, luden die Brüder John und Lem Amero ein zu einer erotischen Reise der besonderen Art, denn Bacchanale ist ein extrem merkwürdiger Film über....ja über was? Vieles deutet darauf hin, dass es sich hier um einen LSD-Promotion-Streifen handelt. "Turn on, Tune in, Drop out!" ließ Timothy Leary damals verlauten. Damit war gemeint: „Finde ein Sakrament, das Dich zu Gott bringt und zu Deinem eigenen Körper; geh über Dich hinaus, verwandle Dich!“ - Tune in: „Bleibe wiedergeboren, drücke es aus, beginne ein neues Leben, das Deine Visionen widerspiegelt!“ - Drop out: „Befreie Dich vom äußeren Drama, das so ausgehöhlt und leer ist wie eine TV-Show!“ Für eine derartige persönliche Befreiungsaktion sei die Einnahme von Lysergsäurediethylamid (LSD) ungeheuer hilfreich, wirkt es doch stark bewusstseinserweiternd.

Gesagt getan, scheint sich die junge Dame, die wir zu Beginn des Films in einem spröden Zimmer liegen sehen, gedacht zu haben. Die Dame heißt Ruth. Ruth scheint auf etwas zu warten. Auf was? Na auf das Einsetzen der Wirkung nach Einnahme eines Trips. Diese folgt denn auch sogleich und wir sehen wie sich eine verschwommene Gestalt aus dem Körper der Frau herauslöst. Dies ist ihre verborgene Seele, die sich in den nächsten knapp 80 Minuten an unterschiedlichsten Orten wiederfindet. Ruth ist Gast auf einer wilden Party und irrt auf Beerdigungen oder in unheimlichen Höhlen umher. Diese Orte sind durch eine Treppe verbunden und auch diese Treppe ist ganz schön trippy! Wo sie auch geht und steht oder schwebt, wird Ruth mit schwierigen Situationen konfrontiert die eng mit ihrem Leben verknüpft zu scheinen und die ihr Unterbewusstsein wohl nie richtig verarbeitet hat und die sich, ganz im Sinne Sigmund Freuds, immer wieder in bedrohlichen sexuellen Handlungen auflösen. Todes- und Lebenstrieb, verdrängte Homosexualität, Verlustängste usw.

Mit dem Abklingen der Wirkung der Droge wendet sich Ruths entrückte Seele wieder ihrer leiblichen Hülle zu. Das Wiedersehen wird von großer Harmonie getragen, auch wenn Ruth zuerst nicht so richtig begreift wen sie da vor sich hat und erst auf Nachfrage erfährt, dass es ihr eigenes Ich ist. Hält der Turn on, Tune in, Drop out!-Slogan was er verspricht, dann beginnt für Ruth jetzt ein neues Leben und ihrem Lächeln nach zu schließen, wird dieses nicht das schlechteste sein.

Loses Zitieren von Freud, Cocteau, Sartre u.v.a., bedeutungsschwangere Begegnungen mit dem Tod, das Zusammenspiel von Lust und Schmerz bei Auspeitschungen, Kritik am Vietnam-Krieg - man kann den Film für pseudophilosophischen Unfug halten der fälschlicherweise als Filmkunst durchgeht, doch der nichts weiter bietet als verwackelte Bilder und eine unerträgliche Soundkulisse. Das stimmt aber nicht. Die Kameraführung ist oscarwürdig und der Sound des Films ist eine Herausforderung, die denjenigen, der sich ihr stellt, reich belohnt. Was stimmt ist, dass der Film etwas anstrengend ist. Aber gerade das macht ihn auch ziemlich authentisch, wird doch immer wieder davon berichtet, dass so ein LSD-Trip nicht nur lustig, sondern eben auch sehr anstrengend sein kann und dass einem auf der Reise tatsächlich Dinge begegnen mit denen nur schwer zurechtzukommen ist, doch die wohl irgendwie mit einem zu tun haben. Eine solch zwiespältige Stimmung einzufangen, ist dem Film auch Dank der großartigen Hauptdarstellerin Uta Erickson sehr gut gelungen.

 

 

Regie: John Amero, Lem Amero

Darsteller/Innen: Uta Erickson, C. Darcy, Done Lee, Larue, Stanley Camel, u.a.

Laufzeit: 77 Minuten

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