BODY LOVE (Holland/Schweden 1977)

 

Vorhang auf für einen Porno, dessen Soundtrack von Klaus Schulze komischerweise berühmter ist als der Film selbst. Klaus Schulze, der mit Künstlern wie Kraftwerk oder Jean Michel Jarre häufig in einem Atemzug genannt wird und der die Band Tangerine Dream zum Erfolg führte, gilt bis heute als einer der bedeutendsten Vertreter der elektronischen Musik. Und der Soundtrack für Body Love gilt vielen Klaus Schulze-Fans als sein wichtigstes Werk. Dementsprechend groß war die Neugier auf den Film der sich hinter der Musik versteckt, doch nur wenige trauten sich bislang den Film anzuschauen oder zuzugeben, dass sie ihn gesehen haben. Erschwerend kommt hinzu, dass der Film über lange Zeit sehr schwer nur zu bekommen war und zudem wenig über ihn geschrieben steht, obwohl z.B. die Deutschland-Premiere von Body Love damals in einem angesehenen Großkino, dem Holi in Hamburg, mit großen Tam Tam über die Bühne ging. Und so wurde schließlich viel darüber fantasiert, was es denn für Pornofilm ist, der Klaus Schulze dazu bewegen konnte seine ganze musikalische Kreativität zu entfalten.

Um es kurz zu machen: Der Film verdient den gleichen Ruhm wie sein Soundtrack, denn wir haben es hier wieder einmal mit einem ganz und gar ungewöhnlichen Porno von Meisterregisseur Lasse Braun zu tun, der jedem, der ihn anschaut, lange im Gedächtnis bleiben wird. Das Spezielle an Body Love ist diese unheimliche New Age-Atmosphäre die der Film ausstrahlt. Alles wirkt irgendwie unwirklich und entrückt und dieser Eindruck wird natürlich verstärkt durch die abgefahrene Synthie-Mucke von Klaus Schulze, doch sind es auch und vor allem die seltsamen Bilder, die den Zuschauer in eine lustvoll-meditative Trance versetzen.

Der Film geht los mit einer Balletteinlage der Hauptdarstellerin Catherine Ringer die heute vor allem Musikerin im Bereich Progressive Rock tätig ist. Unter dem Pseudonym Lolita Da Nova spielt sie Martine, ein Mädchen, welches von ihrem libertin veranlagten Eltern zum Geburtstag ihre Defloration eingebettet in eine Orgie geschenkt bekommt. Der Balletttanz von Martine ist hübsch, doch endet er im pornografischen Nichts. Das ändert sich mit der Szene, die ihre Stiefmutter gleich darauf hat. Ihr Ehemann, eine echter Baron, hat für sie eine wunderbare Aktion in einem leerstehenden Haus eingefädelt. Die Frau betritt das Haus und wird dort von zwei kräftigen Männern "überrascht" und intensiv rangenommen. Um Analsex muss sie zwar extra bitten, doch am Ende geht auch das in Ordnung. Wieder daheim, erzählt sie ihrem neugierigen Ehemann jedes Detail der Szene. Im Anschluss an die pikanten Schilderungen der Frau erfahren wir dann, dass ihre Stieftochter Martine die Art Jungfrau ist, die mit dem eigenen Geschlecht schon umfassende sexuelle Erfahrungen gemacht hat. Die wunderschöne Szene, die sie mit einer Freundin zeigt, liefert hierfür den ersten Beweis. Ein zweiter findet sich in einem kleinen Wohnwagen, den Martine neben der Prachtvilla ihrer Eltern geparkt hat. Dort hält sie sich eine bestens gelaunte Sex-Sklavin, die sich darüber zu freuen scheint, dass ihre Herrin ihr auch mal Sex mit einem Mann gönnt.

Nachdem wir Zeuge einer solchen Abwechslung vom Sklavenalltag wurden, beginnt der eigentliche Hauptteil des Films in Form der Orgie zu Ehren von Martine. Lasse Brauns filmisches Können kombiniert mit Schulzes Space-Sound machen das folgende Lustgelage definitiv zum längsten und anregendsten Musikclip der Filmgeschichte. Wie der Regisseur es geschafft hat die mitwirkenden Damen und Herren zu derart sinnlichen Darbietungen zu bewegen, bleibt genau so sein Geheimnis wie das Kunststück zwischen all den schönen Körpern noch eine Kamera zu postieren. Auf über 20 Minuten erstreckt sich diese großartige Gruppensexszene in der die Defloration des Geburtstagkindes fast ein wenig untergeht und die damit endet, dass irgendwann alles einschläft. Martine wacht als erstes wieder auf. Sie schwebt aus dem Raum so wie sie gekommen ist und der Film ist zu Ende. Und wer sich als Zuschauer jetzt noch nicht in betörnter Trance befindet, dem bleibt wirklich nur noch der Griff zu harten Drogen.

Wie schon mit seinen grandiosen Filmen Sensations und American Desire hat Porno-Papst Lasse Braun mit Body Love ein unvergleichliches Stück Pornokunstgeschichte geschrieben. So unterschiedlich diese Filme auch sind, so verbindet sie doch eines: Sie bestechen alle drei durch ungeahnt erotische Höhenflüge, die mit den Standards von Mainstreampornos nichts gemeinsam haben und das ohne dabei auf explizite und superscharfe Bilder zu verzichten. Man könnte fast von einer Porno-Trilogie sprechen die mit Sensations begann und die über Body Love mit American Desire zu Ende geführt wurde. Es sind dass die Filme, die das Werk und den Ruhm von Lasse Braun ausmachen. Das soll die Güte von anderen Lasse Braun-Streifen wie Sex Maniacs natürlich nicht schmälern, doch ist es am Ende diese Trilogie, die wirklich zählt.

Und was hoffentlich bald auch zählt ist der Umstand, dass sich kein Klaus Schulze-Fan dafür schämen muss diesen stimmungsvollen Film gleichberichtigt neben dem Soundtrack im Regal stehen zu haben. Im Gegenteil wäre das ein Zeichen für distinguierten Geschmack in Sachen Erotik und Pornografie und eine Absage an blöde Spießermoral.

 

 

Regie: Lasse Braun

Darsteller/Innen: Catherine Ringer (Lolita Da Nova), Jean-Gérard Sorlin, Glenda Farrel, Jacques Gateau, Gilda Arancio, Gemma Giménez, Tony Morena, u.a.

Laufzeit: 81 Minuten

next>
next>