THE GRAFENBERG SPOT (USA 1985)

 

Der Film ist ein fröhlicher Aufklärungsporno mit einem großen Aufgebot an Erotikstars: Ginger Lynn, Annette Haven, Amber Lynn, Nina Hartley, Traci Lords, Harry Reems und John Holmes beleuchten sehr anschaulich das Phänomen der weiblichen Ejakulation bzw. des G-Punktes.

Doch was ist eigentlich der G-Punkt? Auf der Suche nach dem Lustzentrum in der Vagina der Frau wurde im Jahr 1950 von dem deutschen Gynäkologen Ernst Gräfenberg eine Zone in der vorderen Vaginawand beschrieben, die für besonders intensive Orgasmen verantwortlich sein soll. Gräfenberg glaubte, dass allein die Stimulierung des Kitzlers beim Sex für den Orgasmus nicht genügt. Später wurde diese Zone von den amerikanischen Wissenschaftern John D. Perry und Beverly Whipple zu Ehren Gräfenbergs als G-Punkt bezeichnet. Sicher ist, dass jede Frau einen G-Punkt hat, aber nicht jede dessen Stimulation als anregend empfindet. Genauso wie nicht jede Frau die Berührung der Brüste als sexuell stimulierend wahrnimmt. Die G-Zone wurde bereits im 17. Jahrhundert von dem niederländischen Anatom De Graaf beschrieben. De Graaf erwähnte zudem auch schon die weibliche Ejakulation.

Wo befindet sich die G-Zone? Die G-Zone liegt in einer Entfernung von ca. vier Zentimetern vom Vaginaeingang hinter der Vorderwand. Die weibliche Harnröhre ist von einem Gewebe umgeben, das bei Erregung - ähnlich wie der Schwanz des Mannes - anschwellen und hart werden kann.

Was vollzieht sich in der G-Zone während der sexuellen Stimulation? Ist die Pussy noch trocken, so ist die Stimulation der Zone eher unangenehm. Erst mit steigender Lust wird die Reizung der Zone als anregend empfunden. Die Region um die Harnröhre, besonders am Winkel im Übergang zur Blase, schwillt an. Bei längerer Stimulation kann es beim Orgasmus zu einem Erguss von Flüssigkeit kommen. Es handelt sich keinesfalls um Urin! Manchmal kann es richtig spritzen. Ob es nun spritzt oder nur als extremes Feuchtwerden empfunden wird, ist individuell unterschiedlich. Die Flüssigkeitsmenge ist verschieden und variiert von einigen Tropfen bis zu einigen Millilitern. Das Sekret stammt aus den Drüsen rechts und links der Harnröhre. In der Analyse ähnelt das weibliche Ejakulat dem Sperma des Mannes. Es kann milchig bis hellgelb sein. Der Duft ist von Frau zu Frau verschieden und hängt auch von der Zahl der Ejakulationen und den Lebensgewohnheiten ab. Einige Frauen ejakulieren auch bei anderen Formen der Stimulation, also z. B. durch lecken der des Kitzlers. Die Ejakulation erfolgt aber nicht bei jedem Orgasmus. Es sollte auch nicht das Ziel des Vögelns sein, diese immer erreichen zu wollen. Ob sie erlernbar ist, ist unklar, denn die genaue Physiologie ist noch nicht hinreichend erforscht.

Im Idealfall sollen durch die Stimulierung des G-Punkts auch Mehrfachorgasmen möglich sein. Eine Steigerung der Lustempfindung soll erreicht werden, indem sich die Frau selbst oder der Partner die Zone gezielt stimuliert. Diese These ist unter Wissenschaftlern jedoch umstritten.

Wie kann man beim Geschlechtsverkehr die G-Zone stimulieren? In der Missionarsstellung ist eine ausreichende Stimulation dieser Region durch den Schwanz - allein schon aus anatomischen Gründen - unwahrscheinlich. Mehr Erfolg verspricht es, wenn die Frau oben sitzt oder sie von hinten genommen wird.

Welche Probleme können bei der weiblichen Ejakulation auftreten? Uninformierte Frauen glauben oft, dass sie zu feucht sind oder pinkeln wenn sie einen Orgasmus haben. Sie empfinden es als unangenehm oder schämen sich. Und Männer die nicht auf Natursekt stehen, können sich unter Umständen durch die vermeintliche Goldene Dusche peinlich berührt fühlen. Aus falschen Schamgefühlen kann es sogar so weit kommen, dass Frauen beginnen, ihren Orgasmus zu unterdrücken.

An die zuletzt geschilderten Probleme knüpft der Film Grafenberg Spot (der eigentlich GRÄFENBERG SPOT heißen müsste, aber das klingt bescheuert) an: Harry Reems will Ginger Lynn mit der Zunge verwöhnen. Sie spritzt, Harry glaubt angepisst zu werden und ist beleidigt. Ginger erlebt das nicht zum ersten Mal mit einem neuen Lover und ihr ist es immer wieder peinlich. Sie will der Sache auf den Grund gehen und geht darum zu Frau Dr. Annette Haven. Frau Dr. Haven demonstriert Ginger und Harry was es mit dem G-Punkt auf sich hat und wie man die weibliche Ejakulation lustvoll zelebriert. Betört durch so charmante Aufklärung, lassen Ginger und Harry erst einmal getrennt von eineiander die Puppen tanzen. Ginger lässt sich von John Holmes und seinem Kumpel rannehmen und Harry und Rick Savage vögeln Tracy Lords. Auf den Rat von Frau Dr. Haven, besucht Harry zudem ein Sex-Theater. Hier kommt er in den Genuss einer sehr schönen Extravorstellung! Am Ende gibt es dann eine feuchtfröhliche G-Spot-Party und Ginger und Harry sind wieder glücklich.

Und glücklich sind auch wir, denn mit Grafenberg Spot geht einer der besten Pornos der 80er-Jahre zu Ende. Die Mitchell-Brothers, die schon in den 70ern mit Behind The Green Door Maßstäbe setzten, sind mit der Zeit gegangen. Grafenberg Spot ist nicht so experimentell wie Behind The Green Door, sondern besticht eher durch Humor und durch zahlreiche, vergleichsweise kurze prägnante Szenen, als durch kammerspielartiges Kunstficken. Vor allem die Szene in der sich Ginger Lynn mit John Holmes vergnügt und Harry Reems Theaterbesuch erinnern aber daran, dass die Mitchell-Brothers Meister ihres Faches sind und dass sie mit ihren Pornos stets den Anspruch haben die Gemüter jenseits des Mainstreams zu erregen. Das gelingt allein schon durch den Anblick spritzender Pussies - ein Unikum im Pornofilm! Von ejakulierenden Damen einmal abgesehen, spielt sich in dem Film eigentlich das ganz normale Porno-Ding ab: Cumshots, Analverkehr, Doublepenetration, doch ist der Unterschied zum Mainstream-Porno auf sehr erfrischende Weise vorhanden.

 

Regie: Artie Mitchell, James Mitchell (The Mitchell Brothers)

Darsteller/Innen: Ginger Lynn, Annette Haven, Amber Lynn, Lili Marlene, Nina Hartley, Traci Lords, Harry Reems, John Holmes, Rick Savage, u.a.

Laufzeit: 69 Minuten

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