THE PUNISHMENT OF ANNE (THE IMAGE - USA 1976)

 

Radley Metzger, der schon mit The Opening of Misty Beethoven Maßstäbe setzte, drehte den Film 1975 nach der Romanvorlage eines gewissen Jean de Berg. Hinter diesem Künstlernamen verbirgt sich das Literatenehepaar Catherine und Alain Robbe-Grillet. Zusammen schrieben sie auch das Drehbuch zu diesem ungewöhnlich sinnlichen und sehr eleganten Film. Beide sind große Fans des Marquis de Sade, der ja auch irgendwie mit dem Begriff Sadomasochismus in Verbindung steht. Der Einfluss des Marquis ist unübersehbar: Konsequent und auf hohem künstlerischen Niveau zeigt The Punishment of Anne die Abgründe der menschlichen Leidenschaften, die Lust am Schmerz und die Abhängigkeiten, die sich daraus ergeben.

Auf einer Schickeria-Party in Paris trifft Jean auf seine alte Freundin Claire. Sie stellt ihm die hübsche und scheinbar sehr schüchterne Anne vor. Auf Anne hat Jean eh schon ein Auge geworfen und so kommt ihm die Bekanntmachung sehr gelegen. Was Claire ihm über Anne erzählt, lässt ich aufhorchen. Anne ist nämlich Claires Eigentum bzw. ihre Sklavin! Und ehe er sich umgucken kann, ist Jean plötzlich mittendrin in einer denkwürdigen Dreiecksbeziehung.

Schon am Tag nach der Party spielen sich seltsame Dinge ab. Die drei besuchen zusammen einen Pariser Rosengarten. Hier wird Anne von ihrer Herrin mit einer Rose zuerst sexuell stimuliert und dann mit den Dornen schmerzhaft gepeinigt. Die Demütigung endet darin, dass Anne genötigt wird sich hinzuhocken um auf die besagte Rose zu pinkeln. Jeans Interesse an Anne nimmt zu. Nachdem er das Ereignis im Park ein wenig auf sich wirken gelassen hat, sucht er Claire auf und lässt sich von ihr Fotos zeigen auf denen Anne zu sehen ist. Die Bilder zeigen sie nackt, angekettet und ausgepeitscht. Wie schon die Begebenheit im Garten, lässt auch der Anblick der Bilder Jean nicht kalt, was Claire natürlich nicht entgeht. Sie ist der Meinung, dass Jean jetzt endlich in die SM-Praktiken mit einbezogen werden muß und setzt diesen Entschluß sofort um. Jean tastet sich langsam heran an die Materie indem er sich von Anne einen blasen lässt während diese von ihrer Herrin ausgepeitscht wird. Die Peitsche, mit der sie gemartert wird, hat sich Anne vorher sehr sorgfältig ausgesucht.

Im Anschlulss daran steht Anne nun auch Jean als Sexsklavin zu Verfügung. Ein Umstand, den er sehr gut zu nutzen weiß. Nach einigen haarsträubenden Begebenheiten z.B. in einem Restaurant oder in einem Geschäft für Damenunterwäsche und nachdem Anne aufs Neue vor Jean urinieren musste, kommt es im einen gut ausgestatteten Folterkeller zum Finale. Anne wird angekettet, ausgepeitscht, mit heißen und spitzen Gegenständen malträtiert und von Jean gevögelt. Doch am Ende, nachdem die Sklavin ihre absolute Befriedigung erhalten hat, verlässt sie ihre Meisterin. Claire wiederum wechselt die Rolle und unterwirft sich schließlich Jean.

Dieser Film ist auf jeden Fall der beste zum Thema Sado-Masochismus. Selbst Gerard Damianos hervorragender Beitrag zu diesem Thema The Story of Joanna kann hier nicht ganz mithalten und der zwar sehr berühmte, doch unerträglich kitschige Film "Die Geschichte der O" von Just Jaeckin, fällt da ganz hinten weg. Szenen wie jene, in der Anne die Rose durch die Schamgegend gezogen wird, gehören ohne Zweifel zu den erotischtesten Momenten der Filmgeschichte. Mit den in Pornos normal üblichen Szenen, haben diese Momente wenig gemein. Sie eignen sich als Wichsvorlage ungefähr so, wie ein Gemälde von Albert Oehlen. Sie erscheinen nie als Selbstzweck, sondern sind immer stringent zum Handlungsablauf. Eingefangen ist das Ganze in klaren und minimalistischen Bildern, die im Pornogenre ihresgleichen suchen. Wir haben es also wieder mal mit einem Meisterwerk zu tun - einem psycholigisch nachhaltig wirkenden, ja verstörenden diesmal.

 

Regie: Radley Metzger, aka Henry Paris

Darsteller/Innen: Rebecca Brooke, Carl Parker, Marilyn Roberts, Yvette Hiver, Michelle Vence, Estelle McNalley, Nicole Rochambeauy

Laufzeit: 89 Minuten

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