ALICE IN WONDERLAND (USA 1975)

 

Die schüchterne und sexuell unerfahrene Alice erhält unverhofft Besuch von einem merkwürdigen Hasen. Dieser lockt sie in das Porno-Wunderland. Dort findet sich Alice anfangs nur mit Mühe zurecht, was nicht schlimm ist, denn der lustige Hase ist plötzlich wieder da und stellt sie interessanten Leuten vor. Die jungfräuliche Alice fängt an ihren sexuellen Empfindungen nachzugehen. Sie masturbiert auf einem sprechenden Felsen sitzend. Dem Felsen gefällt das, er spricht Alice Mut zu und schon bald sehen wir, wie sie den Schwanz eines durchgeknallten aber liebenswerten Mannes bläst und ihn in ihrem Mund kommen lässt. Ihre physische Unschuld im US-amerikanischen Sinne hat sie aber immer noch nicht verloren, als die Königin des Wunderlandes ihren Gatten dabei erwischt, wie er den Kitzler von Alice mit der Zunge verwöhnt. Nicht etwa die Untreue stellt für die erboste Königin ein Delikt dar, sondern dass Alice noch Jungfrau ist. Sogleich wird ihr der Prozess gemacht und eine wild tanzende Jury befindet Alice für schuldig. Zur Strafe soll sie jetzt von der Königin defloriert werden, doch Alices Freunde entreißen sie gerade noch rechtzeitig der lüsternen Herrscherin. Wieder zu Hause, verliert Alice ihre Unschuld schließlich an einen netten jungen Mann.

Lewis Carroll's Märchen präsentiert sich hier als ein sehr lustiges und gnadenlos überdrehtes Porno-Musical welches sich inhaltlich eng an die berühmte Romanvorlage hält und in dem alle Beteiligten sichtlich Spaß haben. Ernst nimmt hier niemand irgend etwas und so folgt eine Absurdität auf die andere. Die musikalischen Einlagen sind großartig, weil die Lieder wirklich mitreißend und die Tänze sehr schwungvoll und sexy choreographiert sind. Wenn man sich als Zuschauer also nicht gerade vor lachen krümmt, schnippt und wippt man mit oder legt vielleicht selbst ein kleines Tänzchen hin. Eine etwas ungewöhnliche Reaktion auf einen Pornofilm und zugegeben: Wenn es sexuell zur Sache geht, dann zwar durchaus sehr erotisch und explizit, doch sollen die Hardcoreszenen wohl zuerst provozieren und dann sexuell stimulieren. Keine schlechte Reihenfolge für einen Pornofilm. Und so überzeugt dieser Film auf der ganzen Linie. Er ist temporeich, sehr komisch, auf seine Art spannend und ausgesprochen sinnesfreudig. In einer Szene fragt eine sichtlich entnervte Frau, wie sie denn endlich aus diesen blöden Film hinauskommt. Hey Baby, das ist ein super Film. Bleib doch noch ein Weilchen!

Es war halt die Zeit der freien Liebe. Hippies kämpften gegen Krieg, Rassismus, Spießertum und Prüderie. Zum Glück drehten manche von ihnen auch Filme. So entstanden Trash-Meisterwerke, die heute so nie möglich wären. Alice in Wonderland ist eines davon. Weil der Film sehr viele Elemente des B-Movies und Trash-Kunst-Motive mit Porno verbindet, ist Alice einer jener Pornos, die bedenkenlos im Studentenkino laufen könnten und sollten. Die Reaktion des Publikums wäre ungefähr wie die auf The Rocky Horror Picture Show: es würde gesungen und getanzt werden. Nur mit dem Unterschied, dass bei Alice am Ende hoffentlich alle nackt oder zumindest oben ohne tanzen. Anbieten würde sich auch ein Lewis Carroll-Porno-Double-Feature. Als erster Film Through The Looking Glass, eine sehr düstere Adaption des Carroll-Stoffes. Dann Partytime mit Alice.

 

Regie: Bud Townsend

Darsteller/Innen: Kristine De Bell, Bradford Armdexter, Gila Havana, Ron Nelson, Alan Novak, Jerry Spellman, Sue Tsengoles, Tony Tsengoles, Angel Barrett, Bruce Finklesteen, Astrid Halase, Ed Marshall, Marcia Raven, Chris Steen, Jason Williams

Laufzeit: 83 Minuten

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