CAFÉ FLESH (USA 1982)

 

Ein Atomkrieg hat die Erde in eine apocaplytische Einöde verwandelt. Radioaktive Strahlung hat die Menschen in zwei Lager gespalten: Sex-Negative und Sex-Positive. Die Negativen, die zwar ein dringendes Verlangen nach Sex haben, doch die bei jeder sexuellen Handlung Schmerzen verspüren und krank werden, bilden 99% der Bevölkerung. Die Minderheit, die Positiven, kann ohne Einschränkungen vögeln und zeigt das in Nachtclubs wie dem Café Flesh. Dort werden die Negaitiven mit den erotischen Darbietungen in den Wahnsinn getrieben. Lana, obwohl heimlich sex-positiv, hat sich für ein Leben als Negative entschlossen, um an der Seite ihres geliebten Mannes leben zu können der leider sex-negativ ist, auch wenn das die Verdrängung ihrer wahren Natur bedeutet. Als sie im Café Flesh mit realen Sex konfrontiert wird, beginnt ihre Fassade zu bröckeln.

Der Plot des Films stellt wohl den philosophischen Zenit des Pornofilms dar: Die Geschichte einer Frau, die ein Leben in sexueller Abstinenz lebt, nur um für die geistige Liebe zu leben und die Sache mit den Sex-Negativen und Sex-Positiven. Die Negativen sind die passiven Beobachter, die Zuschauer, die sich nach den schönen Körpern sehnen. Die Positiven sind Prominente deren Sex-Shows gefeiert werden. So nimmt der Film auf sehr erotische und humorvolle Art das Verhältnis zwischen Publikum und Produzent aufs Korn.

Das Besondere an Café Flesh ist zudem sein bizarres Styling, welches an dem im selben Jahr entstandenen New-Wave-Drogenfilm Liquid Sky erinnert. Gleich die erste Szene beginnt mit als Babys verkleideten Männern die mit einem Knochen in der Hand rhythmisch ihre Köpfe hin und her bewegen. Unter eigenartiger Neonbeleuchtung sehen wir dann eine Frau in einem altmodisch anmutenden Sessel sitzen. Als dann eine weiß gekleidete Ratte die Bühne betritt, kommt es zu den ersten sexuellen Handlungen zwischen dem Fabelwesen und der jungen Dame.

Stil und Dramaturgie des Films deuten darauf hin, dass Regisseur Steven Sayadian (der sich hier als Rinse Dream ausgibt) mit Café Flesh tatsächlich auch auf das Genre Kunstfilm und dessen Publikum zielte. So zeigt er, wo der Pornofilm stehen könnte wenn mehr Regisseure den Mut hätten die Schnittmengen von Porno und Kunst konsequent auszuloten. Wenn also irgendwann ein Pornofilm Einzug hält in das Museum Of Modern Art, dann dieser. Spätestens seit das Texas Chainsaw Massacre dort seinen festen Platz hat, ist deutlich, wie in Verruf geratene Werke schnell offiziell zu Kunst erklärt werden können. Das macht die Redaktion von pornoklassiker.de hiermit: Café Flesh ist Pornokunst vom Allerfeinsten.

 

Regie: Stephen Sayadian

Darsteler/Innen: Andy Nichols, Paul McGibboney, Michelle Bauer (Pia Snow), Marie Sharp, Darcy Nichols, Dennis Edwards, Kevin James, Paul Berthell, Richard Belzer, u.a.

Laufzeit: 72 Minuten

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