MEMORIES WITHIN MISS AGGIE (USA 1974)

 

Eines ist klar: Wer The Devil in Miss Jones mag, mag auch diesen Film. Memories Within Miss Aggie ist ähnlich düster, ähnlich merkwürdig und hat auch ein very Bad-End. Es lässt sich jetzt vortrefflich darüber streiten, welcher Film der bessere ist. Beide sind von solch hoher Qualität, dass ihr Regisseur Gerard Damiano, der seine Filme als extreme Ausdrucksformen von Kunst bezeichnet, zu Recht als einer der berühmtesten und besten Pornofilmer gilt. Kennzeichnend für seine Filme in den 70ern ist, dass Sex zwar immer als etwas Lustvolles, doch zudem tragisches und zerstörerisches dargestellt wird. Eine heile Sexwelt gibt es bei Damiano weder in Miss Jones noch in Waterpower. Es scheint, als wollte er beweisen, dass der fröhlich gemeinte Klassiker Deep Throat eine Ausnahme, ein Irrtum war, was dieser Film schließlich auch ist. Keiner käme von alleine auf die Idee, dass Memories Within Miss Aggie vom selben Regisseur stammt.

Die Heldin des Films (zuerst gespielt von Norah Ashira) traumwandelt durch ihr tristes Haus, sie spricht mit einem sonderbaren Mann im Rollstuhl, spielt mit einer Katze, macht Tee, schaut in den Spiegel. Sie denkt an frühere Zeiten, wobei stets unklar ist, ob das wirklich Erinnerungen oder nur Wunschträume sind. In Rückblenden (?) sehen wir die junge Miss Aggie (jetzt gespielt von Kim Pope), die sich von einem unbekannten Mann entjungfern lässt; die einsame Miss Aggie (Mary Stuart), die es sich mit einer Spielzeugpuppe selber besorgt, ehe ein edler Ritter sie genussvoll in den Hintern vögelt; die besessene Miss Aggie (Darby Lloyd Rains), die als Hure vor einem seltsamen Kerl masturbiert um dann triebhaft seinen Samen zu trinken. Sehr sinnliche, doch irgendwie unheilschwangere Bilder eröffnen sich unserem Auge.

Gar nicht sinnlich, sondern ziemlich brutal endet der Film. Irgendwas muss schiefgegangen sein in Miss Aggies Leben, denn um nicht länger alleine zu sein, tötet sie einen Herrn, der zufällig bei ihr zu Besuch ist und der leider nur für eine Nacht bleiben will. Sie sticht ihm zuerst ein Auge aus, weidet sich kurz an seinen Schmerzen, ehe sie seinem Leben endgültig ein Ende macht. Wie sich rausstellt, ist dieser Mann die erwähnte Person im Rollstuhl bzw. seine verweste Leiche. Sie ist für Miss Aggie jetzt die einzige Bezugsperson bzw. Bezugsleiche.

Bemerkenswert ist es immer wieder, wenn ein Pornofilm nicht nur durch Sex, sondern auch durch Spannung, überzeugende Darsteller/Innen und vor allem durch Atmosphäre glänzt. Memories Within Miss Aggie ist hierfür ein Paradebeispiel! Der Film entführt uns glaubhaft in eine dunkle Traumwelt und schafft damit in 73 Minuten das, woran sich "seriöse" Filme oft vergeblich die Zähne ausbeißen. Note 1 für diesen außergewöhnlichen Porno!

 

Regie: Gerard Damiano

Darsteler/Innen: Norah Ashira, Kim Pope, Darby Lloyd Rains, Harry Reems, Eric Edwards

Laufzeit: 73 Minuten

next>
next>