PIRATES 2 - Stagnetti's Revenge (USA 2008)

 

Jenen Leserinnen und Lesern, die den ersten Teil von Pirates gesehen haben und nun wissen möchten, ob der zweite Teil genauso schlecht ist, sei gesagt: Pirates 2 ist ein sehr guter Film! Das überrascht, weil zweite Teile von Filmen normalerweise schlechter sind als der erste. Im Falle von Pirates würde das bedeuten "noch schlechter", doch dem ist wirklich nicht so. Die Wahl der Darstellerinnen und Darsteller, die Dialoge, die sexuellen Darbietungen, die Ausstattung, das alles ging im ersten Teil ziemlich daneben. In Pirates 2 - Stagnetti's Revenge passt die Sache wunderbar. Dass die Diskrepanz zwischen Teil 1 und 2 so groß ist, kann daran liegen, dass für den zweiten Teil achtmal so viel Geld bereitgestellt wurde, nämlich 8 Millionen US-Dollar. Damit ist der Film der teuerste bzw. zweitteuerste Porno aller Zeiten (wie es sich genau verhält, ist umstritten, da sich die Kosten für Caligula auf 17,5 Millionen beliefen, doch viele Leute in dem Film keinen Porno sehen, wenn eine der gekürzten Fassungen zu Grunde gelegt wird). Mögliche Schlussflogerung: Mit 1 Million Dollar, die Pirates 1 kostete, kann man vielleicht einen halbwegs guten Standard-Porno zu drehen, doch wie es scheint, keinen anständigen Piraten-Porno, der es mit dem Hollywood-Hit Pirates of the Caribbean aufnimmt und es dabei fertig bringt, sich zu einem der wenigen relevanten Hardcorestreifen seit Ende des Golden Age Of Porn aufzuschwingen. Hierfür müssen es dann wohl doch 8 Millionen sein.

Kann der Film es mit Pirates of the Caribbean aufnehmen? Er kann, und das nicht nur in Bezug auf die gelungenen Spezialeffekte, sondern vor allem dadurch, dass er genau auf dem Feld punktet, auf dem auch die Vorlage erfolgreich ist: Beide Filme leben nicht von einer stringenten Handlung, sondern von gelungener Situationskomik und spontanen, kurzen Spannungsbögen. Stellen Sie sich einfach Pirates of the Caribbean mit etwas weniger Action, doch dafür mit richtig viel Sex vor, dann ahnen Sie, wie es um die Porno-Variante bestellt ist.

Sachverständige in Sachen von Pornoparodien können es wahrscheinlich nur schwer glauben, dass Pirates 2 dem Original auf Augenhöhe begegnet und Zweifel sind auch angebracht, da auf diesem Gebiet eigentlich nur noch Unfug produziert wird. Doch nun gibt es diesen hochgradig professionellen Film, ein Porno-Epos welches einen Aufwand betreibt, wie wir ihn bislang nur von Hollywood-Blockbustern kennen. Und das Ganze funktioniert auch noch. Sicher sind unsere Porno-Piraten keine Johnny Depps oder Keira Knightleys und auch so mancher Stunt gelingt im Original besser. Aber nur Kleinbürger werden das dem Film ankreiden, denn schließlich handelt es sich hier eben um eine Porno-Comedy und nicht um ein Remake von James Cameron. Und schließlich wird in Pirates 2 alles, was einen lustigen Piratenfilm und einen guten Porno ausmacht, mit viel Liebe ins Bild gesetzt. Es gibt bedrohliche Seeungeheuer, dunkle Mächte, geheimnisvolle Kugeln, dumme Sprüche und viel schmutzigen Sex. Um das gut zu finden, muss man natürlich ein Sinn für Comedy, Special-Effects und schmutzigen Sex haben. Ist dieser vorhanden, lässt es sich wunderbar eintauchen in die chaotische Welt der Piraten und ihrer Gespielinnen.

Der Plot des Films orientiert sich nur lose an dem des Originals: Der im ersten Teil von Captain Reynolds (Evan Stone) zur Strecke gebrachte Pirat Stagnetti (Tommy Gunn) möchte Rache nehmen und lässt sich dafür von der dunklen Höllenbraut Xiefeng (Katsuni) wieder zum Leben erwecken. Captain Reynolds stellt sich der Angelegenheit mit viel Gelassenheit. Wird es mal eng, hilft ihm seine kampferprobte Feundin Olivia, was die langjährige Lebensgefährtin vom Captain, Jules (Jesse Jane), eifersüchtig macht. Nach einer kurzen Aussprache (und einer längeren Lesben-Experience) ziehen die Beiden aber zusammen am einen Strang und als Jules von der dunklen Höllenbraut und ihrer bösen Crew entführt wird, ist es Olivia, die ihr das Leben rettet. Beim Kampf gegen den grausamen Stagnetti bekommt das Team von Captain Reynolds schließlich noch Unterstützung von der schönen Kriegerin Maria (Sasha Grey). Auch sie hat keine guten Erinnerungen an Stagnetti und möchte sicherstellen, dass der böse Pirat ganz schnell wieder im Meer versinkt.

Genau wie beim Original, verliert man die Handlung gerne mal aus den Augen und amüsiert sich eher über bestimmte Szenen und Situationen. Der Plot des Films macht Spaß, aber sorgt nicht für Spannung. Er soll den Film lediglich irgendwie zusammenhalten und das macht er sehr gut. Zu keiner Zeit hat der Film etwas Episodenhaftes. Von Anfang an entwickelt sich ein stimmiger Verlauf in welchen sich Sex, Komik und Special-Effects wunderbar zusammenfügen und der auch bei einer Filmlänge von über zwei Stunden nie an Tempo verliert. Ein normaler Spielfilmporno von heute bricht inhaltlich schon nach fünf Minuten in sich zusammen, doch Pirates 2 ist tatsächlich ein Film, den man, aus Angst man könnte etwas verpassen, an einem Stück sehen möchte. Ständig geschieht etwas Abgefahrenes, Lustiges und/oder Erotisches und sorgt so für abendfüllendes Amusement.

Und ist einem gerade so gar nicht nach Seeungeheuern oder geheimnisvollen Kugeln, sondern eher nach Porno pur, dann ist Pirates 2 auch die richtige Wahl, denn der dieser Besprechung zu Grunde liegenden DVD sind 3 Bonus-Scheiben beigelegt auf denen sich neben dem obligatorischen Making Of und eingen Interviews auch die Extended Sex Scenes befinden. Dort sind alle Sexszenen in ihrer noch nicht bearbeiteten, also wesentlich längeren Fassung vereint. Mit sage und schreibe 162 Minuten Laufzeit sind die Extended Sex Scenes sogar länger als der eigentliche Film. Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei dem Zusatzmaterial um halbgaren Kram handelt, der aus gutem Grund nicht den Einzug in den Hauptfilm gefunden hat. Doch auch hier kann Pirates 2 positiv überraschen, denn diese Bonus-DVD bietet durchweg exzellenten Sex und den in einem Umfang, der für drei Filme ausreicht.

Pirates 2 ist also eine runderherum runde Sache und es bleibt zu hoffen, dass nicht wieder Jahre ins Land ziehen, bis ein Film rauskommt, der es verdient in die Riege unserer pornografischen Empfehlungen aufgenommen zu werden.

 

 

Regie: Joone

Darsteller/Innen: Jesse Jane, Edward Reynolds, Belladonna, Sasha Grey, Xifeng Tommy Gunn, Steven St. Croix, Lenee, Riley Steele, Jenna Haze, Anne Stoyar, Gabriella Fox, Shyla Stylez, Abbey Brooks, Veronica Rayne, ua.

Laufzeit: 138 Minuten

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