THE STORY OF JOANNA (USA 1975)

 

Gute SM-Filme gibt es wenige. Einer davon ist The Punishment of Anne ein anderer ist der hier im Zenrum stehende The Story of Joanna. Die Geschichte des Films ist angelehnt an die Geschichte der O: Eine junge Dame verliebt sich in einen seltsamen Herren welcher ihr befiehlt sich fremden Männern in sämtlichen Varianten hinzugeben als Beweis für ihre Zuneigung. Seine Wünsche nehmen schließlich immer obskurere Formen an. Er fesselt und peitscht sie. Der Liebe zu ihrem Herrn tut das keinen Abbruch. Das Gegenteil ist der Fall.

Es handelt sich hier um eine sehr gelungene Interpretation des berühmten SM-Dramas von Pauline Réage. Die ebenfalls im Jahr 1975 entstandene Verfilmung von Just Jaeckin mit Corinne Clery und Udo Kier war zwar sehr erfolgreich und gilt bis heute als Klassiker des erotischen Films, doch ist das wohl eher dem Umstand geschuldet, dass Jaeckins Film die erste O-Verfilmung war, denn der Film kommt nicht über das Niveau eines kitschigen, banalen Billigstreifens hinnaus. 1992 gab es nochmal einen sehr aufwändigen Versuch den Roman filmisch umzustetzen. Éric Rochat drehte in fünf jeweils neunzigminütigen Teilen einen ansehnlichen Film mit sehr erotischen, doch nie pornografischen Szenen. Der Film hat zudem viele Längen und ist an vielen Stellen leider auch sehr kitschig. Eine wirklich angemessene Umsetzung der Geschichte der O gibt es lustigerweise als Comic für Erwachsene: Guido Crepax, der Picasso unter den Comiczeichnern, veröffentlichte 1977 einen sensationell-lebendigen und kunstvollen Band, welcher sich sehr eng an den Roman hält.

Doch zurück zum Film. The Story of Joanna nimmt es mit der Romanvorlage nicht ganz so genau. Regisseur Damiano wollte dies ursprünglich, doch entschied sich dagegen um Copyright-Ärger zu vermeiden. Er nahm sich ein Kapitel aus dem Roman und schrieb dazu sein eigenes Drehbuch. Ähnlich ging er schon bei The Devil in Miss Jones vor, wo er sich durch Sartres NO EXIT inspirieren ließ. Die ganze Schwere des O-Themas kommt in Damianos Version wunderbar zum Tragen. Die bizarre Story, die bizarr-dunklen Bilder, die wunderschöne klassische Musik welche den ganzen Film dominiert und Terri Hall als Titelheldin in der Rolle ihres Lebens machen The Story of Joanna zu einem Film von extrem atmosphärischer Dichte. Expilizite Szenen gibt es die erste halbe Stunde eigentlich gar nicht zu sehen und das ohne dass das irgendwie auffällt, doch dann nimmt dieser SM-Trip kräftig an Fahrt auf. In den Sexzenen geht es heftig zur Sache, doch pornografische Standarts werden streng vermieden. Die obligatorische Lesbenszene findet ihren Vergleich durch einen Blowjob unter Männern; Spermafontainen sind vorhanden aber rar und Analsex findet statt, doch ist dieser so entrückt eingefangen, dass schnell klar ist, dass von normalen Pornoszenen hier nicht die Rede sein kann. Und welcher Porno wartet zudem mit einem bezauberenen Ballettanz auf? Einen solchen tanzt tatsächlich ein netter junger Mann mit Terri Hall, die, man glaubt es schnell, früher ein Engagemnet beim Stuttgarter Staatsballett hatte.

The Story of Joanna war also schon damals eher ein Film für Cineasten und weniger für Freunde des puren Hardcores. Letztere verschmähten den Film dann auch und Cineasten finden leider selten den Weg ins Pornokino. So floppte der Film völlig zu unrecht, doch für den Regisseur bestimmt nicht völlig überraschend, denn wie an anderer Stelle schon erwähnt, hatte Gerad Damiano mit den üblichen Rein-Raus-Rammelstreifen so wenig am Hut wie die Lindenstraße mit Pulp Fiction, und finanzielle Einbußen nahm Damiano im Namen der Kunst gerne in Kauf. Gerade sein berühmtester Film Deep Throat ist dafür zwar ein schlechtes Beispiel, doch Filme wie The Story of Joanna legen Zeugnis dafür ab, dass Damaino höchste Ansprüch an seine Filme stellte und auch in der Lage war ihnen gerecht zu werden.

Regie: Gerad Damiano

Darsteller/Innen: Terri Hall, Juliet Graham, Jamie Gillis, John Busche, John Koven, Roy Carlton, Zebedy Colt, u.a.

Laufzeit: 73 Minuten

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