TAKE OFF (USA 1978)

 

Pornoparodien, die auf berühmte Werke der Film- und Literaturgeschichte verweisen, gibt es unzählige. Die meisten von ihnen sind grotesk schlecht, doch einige wenige haben heute sogar Kultstatus (z.B. Alice in Wonderland, The Opening Of Misty Beethoven). Was es bisher noch nicht gab, ist ein Porno, der gleich mehrere berühmte Filme und einem Literaturklassiker in einem Rutsch aufs Korn nimmt und das auch noch sehr überzeugend.

Der Film Take Off schafft das einerseits durch ein gut durchdachtes Drehbuch, welches Oscar Wildes Dorian Gray als ewigen Jüngling geschickt durch 6 Jahrzehnte reisen und in berühmte Filmrollen von James Cagney (Die wilden 20er), Humphrey Bogart (Casablanca) oder Marlon Brando (Der Wilde) schlüpfen lässt. Andererseits geht der Film sehr professionell daran, die Stimmung der jeweiligen Epochen einzufangen. Bei den Szenen, die in 20er Jahren spielen, fühlt man sich wie in die Stummfilmzeit zurückversetzt und man glaubt für einen Moment wirklich, einen Vintage-Porno zu sehen. Auch die Atmosphäre in den Jazz-Clubs während der amerikanischen Alkoholprohibition oder die Hippie-Ära ist gut wiedergegeben.

Dass in dem Streifen trotz der vielen Zeitsprünge und Filmwechsel keine Hektik aufkommt, sondern er im Gegenteil durch beeindruckende Lässigkeit, entspannte Ironie und Erotik glänzt, ist die große Qualität von Take Off. Wenn z.b die Hauptfigur des Films auch nicht ansatzweise als Humphrey Bogart oder Marlon Brando durchgeht, fällt das gar nicht auf, weil hier niemand als irgendwer durchgeht oder es auch nur versucht. Das Ganze wird liebevoll im Komödien-Style durchgezogen, aber auch nicht zu sehr so das es nervt oder ins slapstickartige umschlägt. Hier waren sich die Regie und Hauptdarsteller Wade Nichols anscheinend einmal uneinig. Als nämlich in einer Szene unvermittelt Werbetafeln auf Beinen zu quatschiger Musik ins Billd wackeln und unseren Helden dabei stören, sich an Annette Haven ranzumachen, spricht der schnell ein Machtwort und die Tafeln machen sich vom Acker. Ein gelungener Gag, doch mehr Vorfälle dieser Art gibt es nicht.

Erotische Vorfälle gibt es dafür sehr viele. Diese fallen auffällig kurz, doch durchweg sehr stimmungsvoll und intensiv aus. Und da sie so stimmungsvoll und intensiv auffallen, hätten wir von der einen oder anderen sexuellen Zusammenkunft auch gerne etwas mehr gesehen, doch erscheint es uns auch plausibel, dass auf die Zeit geschaut wird, wenn eben jene Zeit in Windeseile durchschritten werden soll, nämlich 60 Jahre in 103 Minuten. Positiv anzumerken ist noch, dass Regisseur Armand Weston bei den Sexszenen auf Dialoge und künstliches Lustgestöhne gänzlich verzichtet und der Musik den Vorzug lässt. So werden die Liebesspiele akustisch überlagert von erlesener Jazz- und Swing-Musik, oder, zu hören in der 60er-Episode, von psychedelischen Jimmy Hendrix-Sounds. Sehr schön!

Die Schauspiel-Crew zieht bei all dem wunderbar mit. Georgina Spelvin und Annette Haven agieren mit größter Souveränität und Klasse und vor allem letztere wird vom Regisseur sehr sexy in Szene gesetzt. Und wenn eben der Eindruck entstanden ist, wir würden dem Hauptdarsteller Wade Nichols eine schlechte Leistung attestieren, weil er den Bogart nicht spielen kann, so sei hier ganz klar gesagt, dass auch Nichols seine Sache hervorragend und mit viel Schalk im Nacken erledigt. Und wer könnte das auch schon, den Bogart spielen?

Take Off, das können wir zusammenfassend feststellen, ist ein intelligent und sehr erotisch gemachter Porno mit einer schönen Prise Humor. Das sich der Film am Ende sogar noch dazu aufschwingt, mit der anrührensten Schlussszene, die es je in einem Hardcorefilm gab, aufzuwarten, verleiht ihm zusätzliche Größe.

 

Regie: Armand Weston

Darsteller/Innen: Georgina Spelvin, Annette Haven, Leslie Bovee, Wade Nichols, Rayman Sharque, George Spencer, u.a.

Laufzeit: 103 Minuten

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