THE DEVIL IN MISS JONES (USA 1973)

 

Mit einer flehentlichen Aufforderung zum Geschlechtsverkehr und mit sehr bedrohlicher Musik beginnt und endet The Devil in Miss Jones, der wohl düsterste Film der Pornogeschichte: "Put your cock in me! I can't do it by myself. Touch me, please!" fleht eine masturbierende Frau. Die Kamera fährt durch einen Raum der einer Gefängniszelle gleicht und ein Mann kommt ins Bild. Dieser antwortet geheimnisvoll mit den Worten: "He is here..." Die Rede ist vom Teufel. Er schwebt irgendwo in der Zelle und er hat Miss Jones einen Mann an die Seite gestellt, der nicht gewillt ist sie sexuell zu befriedigen. Mit ihm muss Miss Jones auf ewig zusammenhocken. Das ist natürlich die Hölle. Eine Hölle ohne Ausgang, und was existentialistisch klingt, soll genau das sein, denn schließlich hat sich der Meister des subversiven Pornofilms, Gerard Damiano, hier von Jean-Paul Sartres Drama No Exit inspirieren lassen.

Wie Miss Jones diese aussichtlose Situation hereingeraten ist, erfahren wir in der zweiten Sequenz: An einem verregnetten Tag wandelt Miss Jones durch ihre Wohnung. Sie lässt sich ein Bad ein, steigt hinein und schneidet sich mit einer Rasierklinge die Pulsadern auf. Wir sehen sie sterben und schon einen Moment später findet sie sich irgendwo zwischen Himmel und Hölle wieder. Hinter einem schlichten Holztisch sitzend, verkündigt ihr ein netter Herr, dass es im ihren Fall keine Wahl gibt, sondern dass sie in die Hölle muss, da sie mit ihrem Selbstmord eine unverzeihliche Tat begangen hat. Miss Jones hört das zunächst mit Fassung, doch fällt ihr bald ein, dass sie zu Lebzeiten etwas außer Acht gelassen hat: die Lust. Sie ist tatsächlich als Jungfrau gestorben und soll als solche in der Hölle schmoren. Der Gedanke ist ihr unerträglich, und auch dem Sekretär der höheren Macht ist dies der Strafe zu viel. Über den Kopf seines Chefs hinweg, bewilligt er Miss Jones einen kurzen Aufschub damit sie die Sache mit der Lust nachholen kann. Er zeigt auf eine Tür durch die Miss Jones gehen soll und hinter dieser Tür geht es dann schließlich los: In sehr drastischen Szenen sehen wir Miss Jones alle Spielarten der Lust erleben. Es kommt, wie es kommen muss: Die Lust gefällt Miss Jones so gut, dass ihr das Leben jetzt generell viel lebenswerter erscheint. Doch es gibt kein Zurück. Der Weg in die Hölle ist für sie jetzt um so härter.

Eine traurige Story - ein verstörend betörender Film! Ein Porno, der einen Selbstmord im Detail zeigt, ein Porno ohne eine leise Hoffnung auf ein Happy End - das ist einzigartig. Aussichtsloses, unstillbares Verlangen treibt Miss Jones an. Die Grundstimmung des Films ist dementsprechend pessimistisch. Das Zusammenspiel von schräger Musik, hartem Sex, und harschen, oft verzweifelten Worten, die Miss Jones an ihre Liebhaber richtet, verstärken diesen depressiven Eindruck. Die Bilder sind karg und schroff. Nie wird es in diesem Film hell. Der Teufel wirft auf jede Einstellung seinen Schatten. Von Hochglanzerotik keine Spur. Hart und schmutzig geht es zu (Ausnahme: die sehr zärtliche Lesbenszene). Die pornografischen Szenen sind trotzdem von bizarrer Schönheit. Georgina Spelvin als Miss Jones spielt hervorragend!

Ähnlich wie der Nachfolger Memories Within Miss Aggie, ist The Devil in Miss Jones ein Film, welcher am besten an einem trüben Novembertag anzuschauen ist. Stimmungsaufhellend wirkt dieses spröde Werk zwar auf keinen Fall, doch mit Miss Jones kommt ein der Jahreszeit angemessener Melancholie-Hardcore ins Haus, der bis heute nichts an bizarrer Wirkung verloren hat. Es wurden tatsächlich schon Stimmen laut, die den Film als den APOCALYPSE NOW! des Pornokinos bezeichneten. Wer beide Filme gesehen hat, der weiß, dass dieser Vergleich seine Berechtigung hat.

Regie: Gerard Damiano

Darsteller/Innen: Georgina Spelvin, John Clemens, Harry Reems, Mark Stevens, Rick Livermore, Clair Lumiere, Sue Flaken, Albert Gork, u.a.

Laufzeit: 68 Minuten

next>
next>